Das Wichtigste in Kürze
„Coach“ ist kein geschützter Titel. Seit dem Coachingboom nennen sich in Deutschland rund 30.000 Menschen so, und viele wissen nicht, was Coaching eigentlich ist.
Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe. Vorträge, Social-Media-Tipps oder Ratschläge aus eigener Erfahrung sind wertvoll, aber kein Coaching. Ein professioneller Coach bringt Expertise für den Menschen, eine klare Haltung und sichere Methoden mit.
Life Coaching ist kein eigener Ansatz, sondern ein Anwendungsfeld. Ansätze beschreiben, wie gearbeitet wird: systemisch, lösungsorientiert, kognitiv-behavioral und andere.
Systemisch heißt: Ein Mensch wird im Zusammenspiel mit Familie, Team und Organisation betrachtet, und mit dem System in ihm selbst, seinen inneren Anteilen.
Typische Methoden sind zirkuläre Fragen, Skalierungsfragen, die Wunderfrage, das Systembrett, Reframing und Ressourcenarbeit. Gute Coaches ergänzen sie um wirksame Methoden aus anderen Ansätzen, etwa die Arbeit mit dem inneren Kind.
Inhalt
- Finanzcoach, Fitnesscoach, Life Coach: Was ist eigentlich Coaching?
- Unsere Erfahrung
- Wie Coaching groß wurde
- Der Boom und seine Schattenseite
- Was ist Coaching überhaupt?
- Was Coaching nicht ist
- Was professionelles Coaching ausmacht
- Welche Coachingansätze gibt es?
- Was „systemisch“ bedeutet
- Woher der systemische Ansatz kommt
- Das System in Dir: Wenn Gedanken miteinander streiten
- Lineares und systemisches Denken im Vergleich
- Die Haltung: Was einen systemischen Coach ausmacht
- Systemisch als Fundament, Methodenvielfalt als Anspruch
- Sechs systemische Methoden, die Du kennen solltest
- 1. Zirkuläre Fragen: Mit fremden Augen sehen
- 2. Skalierungsfragen: Fortschritt sichtbar machen
- 3. Die Wunderfrage: Die Lösung zuerst denken
- 4. Systembrett und Aufstellung: Beziehungen sichtbar machen
- 5. Reframing: Ein neuer Rahmen für dasselbe Bild
- 6. Ressourcenarbeit: Was schon da ist
- Ein systemisches Coaching von Anfang bis Ende
- Das Anliegen: „Ich will dominanter auftreten“
- Hinter das Anliegen schauen
- Das System sichtbar machen
- Ein Blick ins Familiensystem
- Der Perspektivwechsel: Was will die Wut eigentlich?
- Der Fahrplan: Erst das System, dann die Skills
- Der Moment im Meeting
- Für wen sich systemisches Coaching eignet und wo es aufhört
- Systemisches Coaching lernen
- Fazit
Finanzcoach, Fitnesscoach, Life Coach: Was ist eigentlich Coaching?
Es gibt Ernährungscoaches, Datingcoaches, Mindsetcoaches und Erfolgscoaches. Selbst in Stellenanzeigen von Finanzvertrieben taucht inzwischen der „Finanzcoach“ auf, gemeint ist die Vermögensberatung. Kaum ein Wort hat sich in den letzten Jahren so schnell ausgebreitet wie „Coach“. Und kaum eines ist dabei so unscharf geworden.
Das hat einen einfachen Grund: „Coach“ ist in Deutschland kein geschützter Titel. Jede und jeder darf sich so nennen, mit oder ohne Ausbildung. Für Menschen, die ein Coaching suchen oder selbst Coach werden möchten, ist das ein Problem. Wer nicht weiß, was Coaching ist, kann gutes Coaching kaum von schlechtem unterscheiden.
Wir begleiten Menschen seit 2006 als Coaches und bilden seit 2016 selbst Coaches aus. In diesem Artikel wollen wir Licht ins Dunkel bringen: woher Coaching kommt, welche Ansätze es gibt und warum der systemische Ansatz heute so verbreitet ist. Und wir zeigen Dir sechs Methoden, an denen Du gutes systemisches Coaching erkennst.
30.000
Menschen bieten in Deutschland Coaching an
Schätzung des Deutschen Coaching Verbands, 2023
8.000
waren es 2014 noch
Stiftung Warentest
+54 %
mehr Coaches weltweit von 2019 bis 2022
ICF Global Coaching Study 2023
20 %
der Deutschen wussten 2010, was Coaching ist
ICF Global Consumer Awareness Study
Unsere Erfahrung
Wir schauen nicht von außen auf diesen Markt. Seit 2006 sind wir mittendrin:
20
Jahre Coaching- und Trainingspraxis
434
ausgebildete Coaches
1.350+
Teilnehmende in unseren Coachingausbildungen
21.345
begleitete Teilnehmende und Coachees
4.345
durchgeführte Coachings und Trainings
24
Trainerinnen, Trainer und Coaches im Team
5,0
von 5 Sternen aus 104 Google-Bewertungen
4,9
von 5: So bewerten Absolventinnen und Absolventen ihre Ausbildung
Wie Coaching groß wurde
Das Wort „Coach“ bedeutet ursprünglich Kutsche, also etwas, das Menschen an ein Ziel bringt. Später nannte man so Trainer im Sport, und dort beginnt auch die Geschichte des Coachings, wie wir es heute kennen.
1974 schrieb der Tennislehrer Timothy Gallwey „The Inner Game of Tennis“. Seine Beobachtung: Die größten Gegner seiner Schüler standen nicht auf der anderen Seite des Netzes, sondern in ihrem Kopf. Wer diese inneren Störungen auflöst, spielt besser, ohne dass ihm jemand erklärt, wie der Schläger zu halten ist.
In den 1980ern kam Coaching in die Unternehmen. Führungskräfte lernten, ihre Mitarbeitenden nicht nur anzuweisen, sondern sie mit Fragen zu eigenen Lösungen zu führen. Auch in Deutschland holten sich die ersten Manager einen Coach. Anfang der 1990er wurde Coaching dann privat: Der Amerikaner Thomas Leonard, ursprünglich Finanzplaner, gründete 1992 die erste Schule für Life Coaches.
1885
Der Coach kommt in den Sport
Aus der Kutsche wird ein Bild für jemanden, der andere ans Ziel bringt.
1974
The Inner Game of Tennis
Timothy Gallwey: Leistung ist Potenzial minus innere Störungen.
1980er
Coaching erreicht die Wirtschaft
John Whitmore bringt den Ansatz in die Unternehmen, das GROW-Modell entsteht.
1986
Coaching in Deutschland
Wolfgang Looss macht Coaching für Führungskräfte öffentlich bekannt.
1992
Life Coaching
Thomas Leonard gründet die erste Schule für Life Coaches.
2002 bis 2014
Verbände entstehen
In Deutschland gründen sich über 20 Coaching-Verbände.
2006
Falkenberg startet mit Coaching
Zuerst vor allem in der Arbeitswelt: Führungskräfte, Teams, oft nah an der Beratung.
2014
Systemisch und privat
Immer mehr Privatpersonen kommen zu uns, der systemische Ansatz wird unser Fundament.
2016
Unsere erste Coachingausbildung
Wir geben weiter, was wir in zehn Jahren Praxis gelernt haben.
2020
Corona und der Boom
Coaching wandert in Videocalls, die Zahl der Coaches wächst rasant.
2026
20 Jahre Coaching
434 ausgebildete Coaches und ein klares Ziel: Licht ins Dunkel bringen.
Der Boom und seine Schattenseite
Mit Corona bekam Coaching einen Schub, den niemand erwartet hatte. Plötzlich fand fast alles im Videocall statt, auch Coaching: 2020 lag der Anteil der Online-Coachings in Deutschland noch bei knapp 8 Prozent, 2022 schon bei 45 Prozent, so die Coaching-Marktanalyse von RAUEN. Viele Menschen nutzten die Zeit, um über ihr Leben nachzudenken, und viele entdeckten Coaching als Beruf. Weltweit wuchs die Zahl der Coaches zwischen 2019 und 2022 um 54 Prozent auf über 100.000.
Der Boom hat eine Kehrseite. Weil „Coach“ nicht geschützt ist, nennen sich heute auch Menschen so, die nie eine Ausbildung gemacht haben oder die im „Coaching“ vor allem etwas verkaufen. Recherchen von Correctiv und NDR zeigten 2023, dass manche Coaches ihre teuren Kurse sogar Minderjährigen anbieten. Gleichzeitig wissen viele Menschen gar nicht, was sie von einem Coaching erwarten dürfen. Als der Verband ICF 2017 Menschen fragte, die den Begriff kannten, wählten nur 30 Prozent die zutreffende Beschreibung von Coaching.
Das ist schade, denn gutes Coaching wirkt. Studien bestätigen, was wir in unserer Arbeit jeden Tag erleben: Coaching verbessert spürbar die Leistung, das Wohlbefinden und die Fähigkeit, eigene Ziele zu verfolgen. Damit Coaching aber wirken kann, muss klar sein, was es ist.
Was ist Coaching überhaupt?
Wie Du siehst, ist Coaching gar nicht so leicht zu definieren. Zu viel ist in den letzten Jahren passiert, zu viele Menschen verwenden den Begriff, und viele Coaches verwechseln Coaching immer wieder mit Beratung.
Wir sind seit 20 Jahren am Coachingmarkt und haben seine ganze Entwicklung miterlebt. Wir haben über 1.000 Coachings geführt und sind mit Hunderten Coaches vernetzt. Was wir dabei immer wieder gemerkt haben: Coaching ist ein dynamischer Prozess mit vielen Facetten. Uns ist wichtig, professionelles Coaching zu machen, und das definieren wir so. Fangen wir damit an, was Coaching nicht ist.
Was Coaching nicht ist
Auf der Bühne sagen, wie es geht
Wer anderen von der Bühne erklärt, was sie tun oder lassen sollen, hält einen Vortrag.
Tipps auf Social Media
„Die fünf wichtigsten Schritte für Deine Beziehung“ sind Inhalte, kein Coaching.
Ratschläge aus eigener Erfahrung
Was bei Dir funktioniert hat, muss bei einem anderen Menschen noch lange nicht funktionieren.
Therapie
Psychische Erkrankungen gehören zu Ärzten und Psychotherapeuten. Coaching richtet sich an gesunde Menschen.
Wichtig: Wir finden Vorträge, Inhalte und Erfahrungsaustausch nicht schlecht. Sie sind Teil der Persönlichkeitsentwicklung und dürfen gern sein. Sie sollten nur nicht Coaching heißen. Denn in allen steckt im Kern dasselbe: Beratung und Ratschläge.
Coaching ist eigentlich genau das Gegenteil. Wir können das System eines Menschen in seiner ganzen Komplexität nicht in so kurzer Zeit erfassen. Und nur weil ein Ratschlag einmal funktioniert hat, heißt das nicht, dass er wieder funktioniert. Manchmal kann er sogar schaden.
Was professionelles Coaching ausmacht
Coaching bedeutet für uns Hilfe zur Selbsthilfe. Du kommst mit einem Anliegen, und ein professioneller Coach bringt drei Dinge mit:
Expertise für den Menschen
Wissen über menschliche Prozesse, Dynamiken, Verhalten und Prägungen: warum ein Mensch so handelt, wie er handelt, wie er so geworden ist und wie sich das verändern lässt.
Eine klare Haltung
Ein wertneutraler Raum, in dem Du so sein kannst, wie Du bist. Der Coach spiegelt Dich immer wieder und arbeitet so an Deinem echten Kern statt an einer vorgezeigten Version.
Methodenvielfalt und Methodensicherheit
Viele erprobte Methoden aus verschiedenen Richtungen, die Dir nicht übergestülpt, sondern gemeinsam mit Dir erlebt werden.
Mit diesem Wissen hilft Dir ein Coach, genau dort etwas zu verändern, wo Du gerade feststeckst. Und ein professioneller Coach geht sehr bewusst mit eigenen Hypothesen und Ratschlägen um. Sie sind nicht verboten, aber er setzt sie gezielt ein, statt sie Dir einfach mitzugeben.
Welche Coachingansätze gibt es?
Hier liegt eines der größten Missverständnisse. Begriffe wie Business Coaching, Life Coaching oder Karrierecoaching beschreiben, wofür ein Coaching da ist: das Thema oder die Zielgruppe. Sie sagen aber nichts darüber, wie gearbeitet wird. Ein Life Coach ist also kein eigener Ansatz, sondern ein Coach, der vor allem private Anliegen begleitet. Wie er das tut, hängt von seinem Ansatz ab.
Wofür
Anwendungsfeld
- Business
- Führung
- Karriere
- Team
- Life
- Gesundheit
- Beziehung
Wie
Ansatz
- Systemisch
- Lösungsorientiert
- Kognitiv-behavioral
- Psychodynamisch
- Humanistisch
- Positive Psychologie
In unserer Arbeit begegnen uns vor allem diese Ansätze, und sie decken sich mit dem, was auch die Fachliteratur unterscheidet:
Systemisch: Der Mensch wird im Zusammenspiel mit seinem Umfeld gesehen. Dazu gleich mehr.
Lösungsorientiert: Statt Probleme zu analysieren, richtet sich der Blick auf das, was schon funktioniert und was anders sein soll. Eng verwandt mit dem systemischen Ansatz.
Kognitiv-behavioral: Kommt aus der Verhaltenstherapie und arbeitet mit Gedanken, Bewertungen und Verhaltensmustern.
Psychodynamisch: Fragt nach tieferliegenden, oft unbewussten Motiven und danach, wie frühere Erfahrungen heute wirken.
Humanistisch: Setzt auf Wertschätzung, Echtheit und Einfühlung und vertraut auf die Fähigkeit jedes Menschen zu wachsen.
Positive Psychologie: Stärkt gezielt Stärken, Sinn und Wohlbefinden.
In der Praxis arbeiten gute Coaches selten nur mit einem Ansatz. Am Markt begegnet uns aber vor allem einer: der systemische. Das bestätigt auch die Coaching-Marktanalyse 2024 von RAUEN, in der der systemisch-konstruktivistische Ansatz der am häufigsten eingesetzte ist. Gleichzeitig nennen sich sehr viele Coaches „systemisch“. Umso wichtiger ist es zu wissen, was dahintersteckt.
Was „systemisch“ bedeutet
Ein System ist, vereinfacht gesagt, eine Gruppe von Menschen und die Beziehungen zwischen ihnen: eine Familie, ein Team, ein Unternehmen. In einem System hängt alles zusammen. Verändert sich ein Teil, verändert sich das Ganze. Und umgekehrt.
Systemisches Coaching schaut deshalb nicht nur auf Dich, sondern auch auf die Systeme, in denen Du lebst und arbeitest. Wenn Du zum Beispiel im Job ständig übergangen wirst, fragt ein systemischer Coach nicht nur, was Du anders machen könntest. Er fragt auch, welche Rolle Du im Team spielst, welche unausgesprochenen Regeln dort gelten und wer davon profitiert, dass alles so bleibt, wie es ist.
Du: Deine Gedanken, Gefühle, Werte und Muster
Familie: Familie, Freunde und Partnerschaft: Prägungen, Rollen, Erwartungen
Team: Kolleginnen, Kollegen und Führungskraft
Organisation: Regeln, Kultur und Ziele des Unternehmens
Gesellschaft: Rollenbilder, Normen und Zeitgeist
Woher der systemische Ansatz kommt
Der systemische Ansatz stammt aus der Familientherapie. In den 1950er Jahren erforschte eine Gruppe um Gregory Bateson im kalifornischen Palo Alto, wie Kommunikation in Familien funktioniert. Ihre Erkenntnis: Viele Probleme entstehen nicht in einem einzelnen Menschen, sondern zwischen Menschen. Später entwickelten Teams in Mailand, Heidelberg und Milwaukee daraus die Methoden, mit denen systemische Coaches bis heute arbeiten.
1950er
Palo Alto
Gregory Bateson, Paul Watzlawick und Virginia Satir: Probleme entstehen in Beziehungen, nicht nur in Einzelnen.
1970er
Mailand
Das Team um Mara Selvini Palazzoli entwickelt das zirkuläre Fragen.
1970er
Heidelberg
Helm Stierlin bringt die systemische Therapie nach Deutschland.
1978
Milwaukee
Steve de Shazer und Insoo Kim Berg richten den Blick auf Lösungen statt auf Probleme.
1983
Das Familienbrett
Kurt Ludewig und Kollegen stellen Beziehungen mit Holzfiguren dar, der Vorläufer des Systembretts.
2020
Anerkannt
Die systemische Therapie wird Kassenleistung, nachdem ihre Wirksamkeit geprüft wurde.
Heute
Systemisches Coaching
Der in Deutschland am häufigsten eingesetzte Coachingansatz.
Wichtig für die Einordnung: Die Anerkennung als Kassenleistung gilt für die systemische Therapie, also die Behandlung psychischer Erkrankungen durch Psychotherapeuten. Sie zeigt aber, dass die Denkweise und die Methoden dahinter gut erforscht sind.
Das System in Dir: Wenn Gedanken miteinander streiten
Systemisch heißt bei uns nicht nur, auf Familie, Team und Unternehmen zu schauen. Mindestens genauso viel arbeiten wir mit dem innersten Kreis: dem Individualsystem, also dem System in Dir.
Du kennst das bestimmt: Du liegst abends im Bett und denkst zum dritten Mal darüber nach, wie dumm das Gespräch heute in der Arbeit gelaufen ist. Gleichzeitig sagst Du Dir: „Jetzt mach Dich doch nicht so fertig.“ Aber irgendwie funktioniert das nicht.
Der Kritiker
„Wie konntest Du das nur sagen? Das haben alle gemerkt.“
Der Beschwichtiger
„Jetzt mach Dich doch nicht so fertig. Morgen ist das vergessen.“
Der Kritiker
„Das passiert Dir immer wieder. Du lernst es einfach nicht.“
Der Beschwichtiger
„Schlaf jetzt, Grübeln bringt doch nichts.“
In solchen Momenten wird Dein inneres System aktiv. Wir sprechen von inneren Anteilen: Ein Anteil ist sehr kritisch, ein anderer bemüht sich, dass Du Dir die Sache durchgehen lässt. Beide stehen in Spannung zueinander, und Du liegst wach.
Oder Du liegst auf der Couch, obwohl Du eigentlich Sport machen wolltest. Auch hier merkst Du: In Dir gibt es Gefühle, Gedanken und Anteile, die nicht dasselbe wollen. Immer wenn Du angespannt bist, weil Du eigentlich etwas anderes tun willst oder Dich anders verhältst, als Du es von Dir erwartest, ist dieses System aus dem Gleichgewicht.
So machen wir es: Dieses innere System zu verstehen und mit ihm zu arbeiten, ist ein großer Teil unseres systemischen Ansatzes. Statt einen Anteil zum Schweigen zu bringen, schauen wir, was jeder von ihnen eigentlich für Dich will. Erst dann kann das System wieder ins Gleichgewicht kommen.
Lineares und systemisches Denken im Vergleich
Der Unterschied wird am deutlichsten, wenn man beide Denkweisen nebeneinanderstellt:
Lineares Denken
Systemisches Denken
Das Problem liegt in einer Person
Das Problem entsteht im Zusammenspiel
Ursache suchen
Wechselwirkungen verstehen
Was ist kaputt?
Was funktioniert schon?
Der Experte kennt die Lösung
Du bist Experte für Dein Leben
Ratschläge geben
Fragen stellen, die neue Sichtweisen öffnen
Es gibt eine richtige Sicht
Es gibt mehrere Perspektiven
Die Haltung: Was einen systemischen Coach ausmacht
Methoden kann man in wenigen Tagen lernen. Was einen guten systemischen Coach ausmacht, ist vor allem seine Haltung. Vier Punkte sind dabei zentral:
Lösungsorientierung: Der Blick geht nach vorn. Statt lange zu fragen, warum etwas schiefläuft, fragt ein systemischer Coach, was stattdessen sein soll.
Du bist der Experte: Niemand kennt Dein Leben so gut wie Du. Der Coach ist Experte für den Prozess, nicht für Deine Antworten.
Neugier und Nichtwissen: Ein guter Coach geht ohne fertige Erklärung in das Gespräch. Er bleibt neugierig, auch wenn er glaubt, die Lösung schon zu kennen.
Ressourcenorientierung: Jeder Mensch bringt Fähigkeiten und Erfahrungen mit, die ihm schon einmal geholfen haben. Sie wieder sichtbar zu machen, ist oft der erste Schritt.
So machen wir es: Diese Haltung lernt man nicht aus dem Buch, sondern nur, indem man sie selbst erlebt. In unseren Ausbildungen übst Du deshalb jede Methode im Sparring mit unseren Lehrcoaches und erlebst sie auch selbst als Klient. Erst wenn Du gespürt hast, wie es ist, wenn jemand ohne Ratschlag einfach die richtige Frage stellt, kannst Du es auch für andere tun.
Systemisch als Fundament, Methodenvielfalt als Anspruch
Systemisches Coaching ist dynamisch. Es ist unser Ansatz, und trotzdem sind wir große Fans einer breiten Methodenkompetenz. Für uns ist sie ein Merkmal professioneller Coaches: Gute Methoden aus anderen Ansätzen nehmen wir gern auf, wenn sie bei Menschen wirklich wirken.
Systemisch
Zirkuläre Fragen, Systembrett und Aufstellungen machen Beziehungen und Wechselwirkungen sichtbar.
Kognitiv-behavioral
Glaubenssätze erkennen und hinterfragen, neue Denk- und Verhaltensmuster einüben.
Prägungsarbeit
Mit der Arbeit mit dem inneren Kind verstehen, wie frühe Erfahrungen heute wirken.
Die Arbeit mit dem inneren Kind ist dafür ein gutes Beispiel. Sie führt zurück in Deine Prägungen und Dein Familiensystem. Hier schauen wir bewusst nicht nur nach vorn, sondern machen auch eine kurze Problemanalyse: Sie zeigt, wie stark Prägungen wirken, und hilft Dir zu verstehen, warum Du so geworden bist, wie Du bist. Von dort aus gehen wir in die Veränderung. Diese Arbeit ist ein zentrales Merkmal unseres Coachings.
Sechs systemische Methoden, die Du kennen solltest
Systemische Coaches arbeiten mit einem großen Werkzeugkasten. Diese sechs Methoden begegnen Dir in fast jedem guten systemischen Coaching, und an ihnen erkennst Du schnell, ob Dein Coach systemisch arbeitet oder es nur auf seine Website geschrieben hat.
1. Zirkuläre Fragen: Mit fremden Augen sehen
Zirkuläre Fragen laden Dich ein, Deine Situation aus der Sicht anderer zu betrachten. Entwickelt hat sie das Mailänder Team um Mara Selvini Palazzoli in den 1970er Jahren. Statt „Wie geht es Dir mit Deinem Chef?“ fragt ein systemischer Coach zum Beispiel:
„Was würde Dein Team sagen, woran es merkt, dass es Dir besser geht?“
Solche Fragen wirken oft überraschend stark, weil sie aus festgefahrenen Gedanken herausführen. Plötzlich wird sichtbar, wie andere Dich wahrnehmen und welche Wirkung Dein Verhalten hat.
2. Skalierungsfragen: Fortschritt sichtbar machen
Bei einer Skalierungsfrage bewertest Du Deine Situation auf einer Skala, meist von 0 bis 10. Das klingt simpel, macht aber Unterschiede greifbar, die sich in Worten schwer fassen lassen.
„Wo stehst Du heute zwischen 0 und 10? Und was wäre anders, wenn Du einen Punkt höher stündest?“
Der Clou liegt in der zweiten Frage. Sie lenkt den Blick nicht auf das große Ziel, sondern auf den nächsten kleinen Schritt, und der ist meist leichter zu gehen, als man denkt.
3. Die Wunderfrage: Die Lösung zuerst denken
Die Wunderfrage stammt aus der lösungsorientierten Kurzzeittherapie von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg. Sie dreht die gewohnte Reihenfolge um: Erst wird die Lösung beschrieben, dann der Weg dorthin gesucht.
„Stell Dir vor, heute Nacht geschieht ein Wunder und Dein Problem ist gelöst. Woran merkst Du es morgen früh als Erstes?“
Wer eine Lösung so konkret beschreibt, entdeckt dabei oft, dass Teile davon längst möglich sind.
4. Systembrett und Aufstellung: Beziehungen sichtbar machen
Auf einem Systembrett stellst Du mit kleinen Holzfiguren dar, wie Menschen in Deinem Umfeld zueinander stehen: Wer ist nah, wer weit weg, wer schaut wohin? Was im Kopf diffus bleibt, wird auf dem Brett plötzlich sichtbar. Oft reicht es schon, eine Figur zu verschieben, um zu spüren, was sich verändern müsste.
Eine Aufstellung funktioniert nach demselben Prinzip, nur mit Menschen statt Figuren. Sie ist besonders wirkungsvoll in Gruppen und Teams.
So machen wir es: In der Ausbildung zum Systemischen Coach Expert arbeitest Du ausführlich mit systemischen Aufstellungen und lernst, unbewusste Muster sichtbar zu machen und zu verändern. Das Systembrett ist dabei eines unserer liebsten Werkzeuge, weil es auch Menschen erreicht, die lieber zeigen als reden.
5. Reframing: Ein neuer Rahmen für dasselbe Bild
Beim Reframing bekommt eine Situation einen neuen Rahmen und damit eine neue Bedeutung. Was gestern noch als Schwäche galt, kann sich im neuen Licht als Stärke zeigen.
„Du sagst, Du bist zu stur. In welchen Situationen war genau diese Beharrlichkeit schon einmal hilfreich?“
Reframing ist keine Schönfärberei. Es öffnet den Blick dafür, dass jedes Verhalten in einem bestimmten Zusammenhang einen guten Grund hat.
6. Ressourcenarbeit: Was schon da ist
Wer in einer schwierigen Situation steckt, sieht oft nur noch das Problem. Ressourcenarbeit lenkt den Blick auf das, was schon da ist: Fähigkeiten, Erfahrungen, Menschen, die Dich unterstützen.
„Wann war das Problem schon einmal kleiner? Was hast Du damals anders gemacht?“
Solche Ausnahmen gibt es fast immer. Sie zeigen, dass die Lösung oft nicht neu erfunden werden muss, sondern nur wiederentdeckt.
Ein systemisches Coaching von Anfang bis Ende
Wie sieht das in der Praxis aus? Hier ist eine echte Geschichte aus unserem Coachingalltag, von der ersten bis zur letzten Sitzung.
Das Anliegen: „Ich will dominanter auftreten“
Anna kam skeptisch ins Coaching. Sie hatte schon einiges über Coaching gehört, war auch schon in Therapie gewesen und gar nicht sicher, ob ihr das etwas bringt. Erst eine Freundin hat sie überzeugt, es bei uns zu versuchen.
Ihr Anliegen war klar: Sie wollte im Beruf dominanter auftreten. Manchmal verliere sie die Fassung, sagte sie, und reagiere anders, als sie eigentlich möchte.
Hinter das Anliegen schauen
Das Anliegen ist der erste Schritt in jedem Coaching. Die Expertise eines guten Coaches zeigt sich darin, zu schauen, was dahinter liegt. Dafür nutzen wir zum Beispiel das Coachinghaus, eine Methode zur Klärung von Anliegen und Ziel, und eine Systemanalyse.
Nach den ersten Sitzungen und vielen Fragen wurde deutlich: Immer wenn Anna kritisiert oder übergangen wird, wird sie sehr emotional. Manchmal fängt sie an zu weinen, manchmal wird sie laut. Mit „dominanter“ meinte sie eigentlich: nicht mehr emotional werden, sondern klare Ansagen machen.
Ein wichtiger Moment war, als Anna merkte, dass es völlig in Ordnung ist, emotional zu sein. Ihre Emotionalität ist sogar eine Qualität, die sie an sich schätzt. Sie hatte das nur vergessen, weil Gefühle im Business oft schlecht angesehen sind. Damit änderte sich das Ziel:
Das Anliegen am Anfang
Das Ziel nach der Klärung
Ich will dominanter auftreten.
Ich nutze meine Empathie als Stärke, auch im Business.
Ich will nicht mehr emotional werden.
Ich darf emotional sein und bleibe dabei konstruktiv.
Ich will klare Ansagen machen.
Ich setze klare Grenzen, ohne mich zu verstellen.
Das System sichtbar machen
In der Systemanalyse haben wir geschaut, woher Annas Reaktionen kommen, und ihr inneres System sichtbar gemacht. Schnell zeigten sich zwei Anteile, die genauso miteinander streiten wie die Stimmen weiter oben.
Da ist ein sehr empathischer, gefühlvoller Anteil. Er sagt: Die anderen sind wichtig, ich will Harmonie, allen soll es gut gehen. Dahinter steckt ein Glaubenssatz: Die anderen sind ein bisschen wichtiger als ich. Erst kümmere ich mich um sie, dann um mich.
Und da ist ein wütender Anteil. Er sieht zu, wie Anna sich immer wieder hinten anstellt, und wird dabei immer saurer. Zu Wort kommt er selten, denn der harmonische Anteil hält ihn klein.
Die Harmonische
„Die anderen sind wichtig. Hauptsache, allen geht es gut.“
Die Wütende
„Lass doch nicht so mit Dir umgehen!“
Die Harmonische
„Sag lieber nichts. Das macht man nicht.“
Die Wütende
„Wie oft willst Du Dich noch hinten anstellen?“
Wird Anna zu oft übergangen, platzt der wütende Anteil irgendwann heraus. Dann ist er nicht konstruktiv, sondern impulsiv, und Anna reagiert ganz anders, als sie es sich wünscht.
Ein Blick ins Familiensystem
Um zu verstehen, woher diese Anteile kommen, haben wir das System erweitert und in Annas Familie geschaut. Ihre Eltern hätten sich, in Annas Worten, eigentlich trennen müssen. Sie blieben zusammen, und Probleme wurden nie angesprochen. Ihre Mutter sagte immer: „Hauptsache, uns geht es allen gut.“ Die Familie machte gute Miene zum bösen Spiel.
Anna spürte schon als Kind, dass etwas nicht stimmt und niemand so richtig glücklich ist. Sprach sie es an, hieß es: „Sei doch nicht so. Das macht man nicht.“ Hier liegt wahrscheinlich der Ursprung ihres harmonischen Anteils: Es ist wichtiger, dass es allen scheinbar gut geht, als die Harmonie zu zerbrechen.
Den lauten, rebellischen Anteil hatte Anna aber von Anfang an. Kinder sind laut und durchbrechen solche Muster immer wieder. Ihre Eltern haben das vermutlich nicht geduldet, also hat Anna diesen Teil weggeschoben, nach dem Motto: Den darf ich gar nicht haben. In bestimmten Situationen ist er trotzdem wieder da. Das merkt man oft daran, dass man anders reagiert, als man eigentlich will. Anna beschreibt es so: Sie fühlt sich dann wieder wie sechs Jahre alt. Etwas läuft schief, jemand macht etwas falsch, und sie will einfach nur ausbrechen.
Diese Erkenntnis hat für unglaublich viel Klarheit gesorgt. Genau das meinen wir mit Prägungsarbeit: verstehen, warum Du so geworden bist, wie Du bist, damit Veränderung möglich wird.
Der Perspektivwechsel: Was will die Wut eigentlich?
Danach ging es an die Lösung. Anna stand in starkem Widerstand zu ihrem wütenden Anteil. Sie wollte ihn nicht haben und drückte ihn deshalb immer weg. Also haben wir die Perspektive gewechselt, mit einem Reframing:
„Was hat dieser Anteil für gute Seiten? Was tut er eigentlich für Dich?“
Annas Antwort: Er steht für sie ein. Er will sie schützen und sagt: „Anna, ich sorge dafür, dass niemand so mit Dir umgeht.“ Er macht das nur manchmal sehr ungeschickt. Damit war auch der Fahrplan für das weitere Coaching klar.
Der Fahrplan: Erst das System, dann die Skills
Das Coaching hatte zwei Ziele. Erstens: lernen, mit dem eigenen System umzugehen. Zweitens: sich die Fähigkeiten aneignen, die Anna in ihrer Familie nie lernen konnte, also in einen Konflikt zu gehen und Grenzen zu setzen.
Im ersten Schritt haben wir Annas System aufgestellt. Anna lernte zu spüren, wann die Wut hochkommt und welche Situationen sie auslösen, und was sie dann tun kann, um in Kontrolle zu bleiben. Das heißt nicht, Gefühle oder Anteile wegzudrücken. Ganz im Gegenteil: Wir nehmen sie wahr und sagen, es ist okay, dass sie da sind. Wir bleiben aber in Kontrolle. Auch Annas Glaubenssatz, die anderen seien wichtiger als sie, haben wir uns genau angeschaut.
Nach einigen Sitzungen kannte Anna ihre Triggerpunkte gut. In schwierigen Situationen konnte sie ruhig bleiben oder ihre Wut sogar konstruktiv nutzen. Im zweiten Schritt ging es um das Handwerkszeug: Welche Methoden und Modelle gibt es, um Grenzen zu setzen? Wie spreche ich eine klare Grenze konstruktiv aus? Hier zeigt sich, warum wir Methodenvielfalt so wichtig finden: Systemische Arbeit und ganz praktisches Kommunikationstraining greifen ineinander.
Schritt 1
Anliegen klären
Coachinghaus und Systemanalyse: Was steckt hinter „dominanter werden“?
Schritt 2
System sichtbar machen
Die inneren Anteile und ihr Streit werden greifbar.
Schritt 3
Prägungen verstehen
Der Blick ins Familiensystem zeigt, woher die Anteile kommen.
Schritt 4
Perspektive wechseln
Reframing: Die Wut will Anna eigentlich schützen.
Schritt 5
Umgang lernen
Trigger erkennen, Gefühle annehmen und in Kontrolle bleiben.
Schritt 6
Skills aufbauen
Grenzen klar und konstruktiv setzen.
Der Moment im Meeting
Gegen Ende des Coachings erzählte Anna von einem Meeting. Jemand hatte sich gemeldet, doch der Vorsitzende winkte ab: „Jetzt nicht.“ Anna spürte, wie die Wut in ihr hochstieg, diesmal nicht einmal, weil sie selbst übergangen wurde, sondern jemand anderes.
Früher wäre sie aufgesprungen, hätte laut gesagt, dass es so nicht geht, und danach drei Nächte nicht schlafen können. Diesmal stand sie ruhig auf und sagte:
„Ich möchte gern einen wichtigen Punkt ansprechen. Ich finde es nicht in Ordnung, wenn eine Wortmeldung einfach weggedrückt wird. Wenn es gerade nicht passt, sollten wir gleich vereinbaren, wann wir darüber sprechen. Das gehört für mich zu einer konstruktiven Meetingkultur. Können wir den Punkt direkt terminieren?“
Am Abend war Anna stolz auf sich, statt sich zu schämen. Und sie bekam richtig gutes Feedback: Mehrere Kolleginnen und Kollegen sagten ihr, wie stark sie es fanden, dass jemand so klar auftritt und so offen kommuniziert. Früher hatten manche ihre Ausbrüche eher als schwierig erlebt. Jetzt war sie diejenige, die ausgesprochen hat, was viele dachten.
Anna ist dafür nicht dominanter geworden. Sie ist klarer geworden, ohne sich zu verstellen. Nicht, weil ihr Coach ihr gesagt hat, was sie tun soll, sondern weil sie ihr eigenes System verstanden hat.
Für wen sich systemisches Coaching eignet und wo es aufhört
Systemisches Coaching eignet sich für alle Anliegen, in denen Beziehungen und Rollen eine Rolle spielen, und das sind die meisten:
Konflikte im Team oder mit der Führungskraft
Entscheidungen, etwa über einen Jobwechsel oder einen Neuanfang
Neue Rollen, zum Beispiel als Führungskraft
Fragen nach Sinn, Werten und dem eigenen Weg
Muster, die sich in Beziehungen immer wiederholen
Wo Coaching aufhört, ist dagegen klar: Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Süchte gehören in die Hände von Ärzten und Psychotherapeuten. Ein seriöser Coach erkennt diese Grenze und spricht sie an. Im Zweifel ist es immer richtig, zuerst ärztlichen Rat einzuholen.
Systemisches Coaching lernen
Wenn Dich dieser Artikel neugierig gemacht hat, Dich selbst mit dem systemischen Ansatz zu beschäftigen, ist die Wahl der richtigen Ausbildung entscheidend. Denn auch „systemischer Coach“ ist kein geschützter Titel. Worauf Du achten solltest, haben wir in unserem Artikel Was macht eine gute Coachingausbildung aus? zusammengefasst: von erfahrenen Lehrtrainern über betreute Praxis bis zur Selbstreflexion.
So machen wir es: Alle unsere Ausbildungen beginnen mit dem Systemischen Coach Basic. Dort lernst Du die Grundlagen von Gesprächsführung, Psychologie und Coachinghaltung. Wer tiefer gehen will, vertieft im Systemischen Coach Expert die systemischen Methoden bis zur Aufstellungsarbeit, mit Selbsterfahrung in der Gruppe und Supervision Deiner ersten eigenen Fälle. Einen Überblick über alle Wege findest Du auf unserer Seite Coachingausbildungen.


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Checkliste: Die gute Coachingausbildung
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Fazit
Coaching ist kein Modewort, sondern eine Profession mit rund 50 Jahren Geschichte, von den Tennisplätzen der 1970er bis in die Chefetagen und Wohnzimmer von heute. Dass sich heute so viele Menschen Coach nennen, macht es schwerer, gutes Coaching zu erkennen, aber nicht unmöglich.
Der systemische Ansatz ist in Deutschland so verbreitet, weil er einen einfachen, aber kraftvollen Gedanken ernst nimmt: Kein Mensch lebt für sich allein. Wer verstehen will, was ihn bewegt, muss auf sein Umfeld schauen. Und wer etwas verändern will, braucht keine Ratschläge, sondern die richtigen Fragen.

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Häufige Fragen
Was ist systemisches Coaching einfach erklärt?
Systemisches Coaching betrachtet einen Menschen nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit seinem Umfeld: Familie, Team, Organisation. Genauso wichtig ist das System in Dir, also Deine Gedanken, Gefühle und inneren Anteile. Statt Ratschläge zu geben, stellt ein systemischer Coach Fragen, die neue Sichtweisen öffnen, und hilft Dir, Deine eigenen Lösungen zu finden.
Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Beratung?
Ein Berater gibt Dir Lösungen und Ratschläge, oft aus eigener Erfahrung. Ein Coach hilft Dir, Deine eigenen Lösungen zu finden, denn was bei einem Menschen funktioniert hat, muss bei einem anderen nicht funktionieren. Ein professioneller Coach geht deshalb sehr bewusst mit Ratschlägen um und setzt sie nur gezielt ein.
Ist Life Coaching ein eigener Coachingansatz?
Nein. Life Coaching beschreibt das Anwendungsfeld, also private Anliegen wie Lebensentscheidungen, Beziehungen oder Sinnfragen. Wie gearbeitet wird, hängt vom Ansatz des Coaches ab, zum Beispiel systemisch oder lösungsorientiert.
Was ist der Unterschied zwischen systemischem Coaching und systemischer Therapie?
Systemische Therapie behandelt psychische Erkrankungen und wird von approbierten Psychotherapeuten durchgeführt; seit 2020 ist sie für Erwachsene eine Kassenleistung. Systemisches Coaching richtet sich an gesunde Menschen, die ein berufliches oder privates Anliegen klären möchten. Beide nutzen ähnliche Methoden und dieselbe Denkweise.
Ist „systemischer Coach“ ein geschützter Titel?
Nein, weder „Coach“ noch „systemischer Coach“ sind in Deutschland geschützt. Umso wichtiger ist es, auf die Ausbildung zu achten. Woran Du eine gute Coachingausbildung erkennst, haben wir in einer eigenen Checkliste zusammengefasst.
Wie lange dauert ein systemisches Coaching?
Das hängt vom Anliegen ab. Laut Coaching-Marktanalyse 2024 dauert ein Coaching im Durchschnitt knapp 12 Stunden, verteilt auf mehrere Termine. Manche Fragen klären sich schon in wenigen Sitzungen, tiefere Veränderungen brauchen mehr Zeit.
Funktioniert systemisches Coaching auch online?
Ja. Seit Corona findet ein großer Teil der Coachings per Videocall statt, 2024 waren es laut Coaching-Marktanalyse rund 38 Prozent. Selbst Methoden wie das Systembrett gibt es inzwischen digital. Viele Menschen schätzen trotzdem das persönliche Gespräch, gerade bei sehr persönlichen Themen.




